1. Herausgeber
Inhalt

Deine Arbeit, meine Arbeit.

Martin Dulig – ein Tag im Leben als…

Martin Dulig – ein Tag als Praktikant bei Globalfoundries in Dresden

Scheinbar endlos lange Gänge ziehen sich durch die Hallen. Ein wenig erinnert mich die Arbeitsatmosphäre an einen Science Fiction Film: An schmalen Schienen surren im Sekundentakt kleine Roboter über mir. Die Fenster sind mit gelben Folien abgeklebt, damit kein UV-Licht den Raum flutet. Ein monotones Grundrauschen, das aus den sterilen grau-weißen Maschinencontainern kommt, übertönt alles. Alle tragen weiß-grau karierte Anzüge, mit Mundschutz, Haube, Handschuhen. Nur die Augen sind zu sehen. Die Szenerie ist surreal. Für einen Tag bin ich heute für mein Projekt »Deine Arbeit, meine Arbeit« als Helfer bei Globalfoundries in Dresden. Die Mitarbeiter sagen kurz Glofo.

Martin Dulig – Ein Tag als Verkäufer im Konsum Markkleeberg

Um 6.45 Uhr stehe ich am Zeitungsregal. Zeitungen, Zeitschriften Magazine – alles muss an seinem Platz liegen, die neuen Ausgaben müssen ausgelegt werden. Denn in in 15 Minuten öffnet der Konsum in Markkleeberg, in dem ich heute eine Schicht lang für mein Projekt „Deine Arbeit, meine Arbeit“ mitarbeite. Dann müssen die Blätter vom Vortag verschwunden sein. Vom Bäckerstand am Eingang zieht ein leckerer Duft warmer Brötchen in den Laden.

Martin Dulig – Ein Tag als Monteur in der i3-Produktion bei BMW in Leipzig

Klipp, fertig. Die himmelblauen Zierleisten des i3 drücken sich in wenigen Sekunden in die am Förderband hängenden Elektro-BMW. Anschließend werden mit einem Akkuschrauber unter dem Fahrzeug fünf Schrauben angezogen. Nach 240 Sekunden ist der Arbeitstakt beendet. Wie von Geisterhand setzt sich die Taktstraße in Bewegung, kommt das nächste Fahrzeug angeschwebt.

Martin Dulig – ein Tag als Straßenwärter bei der Autobahnmeisterei in Dresden-Hellerau

Es stinkt und ist einfach widerlich. Ich meine nicht die Dutzenden von Mülltonnen, mit Essensresten, Babywindeln und die anderen müffelnden Abfälle, die ich einsacke und auf den Transporter werfe. Ich meine die Toilettenanlagen, die sauber gemacht werden müssen. Der Geruch ist wirklich das Schlimmste, was mich heute – an meinem Tag als Straßenwärter bei der Autobahnmeisterei in Dresden-Hellerau – an meine Ekelgrenze führt.

Martin Dulig – ein Tag als Leuchten-Monteur in den Partner-Werkstätten der Stadtmission Chemnitz e.V.

Punkt 8 Uhr beginnt mein heutiger Arbeitstag in den Partner-Werkstätten der Stadtmission Chemnitz in Burgstädt. Als Praktikant stehe ich in Jeans und grauem Arbeits-T-Shirt an der Werkbank. Meine Kolleginnen und Kollegen heute sind Menschen mit unterschiedlichster Behinderung. Doch das spielt in Burgstädt keine große Rolle. Hier sind sie Werkstattmitarbeiter, der Begriff, »Menschen mit Behinderung« wird bewusst vermieden.

Martin Dulig – einen Tag als Bergmann bei der Bergsicherung Schneeberg

Rund 160 Meter unter Schneeberg scheint keine Sonne. Es ist dunkel, nass, eng und – im Gegensatz zu den 34 Grad oben – erfrischend kalt. Einen Tag war ich als Bergmanns-Praktikant bei der Bergsicherung im Einsatz und half dabei, die alten Stollen aus dem Jahr 1796 zu sanieren. Ein echter Knochenjob, bei dem ich wortwörtlich im Dreck wühlte.

Martin Dulig – ein Tag als Textilpfleger bei der Kleenothek Textilreinigung im Elbepark

Das Thermometer zeigt am frühen Morgen bereits 32 Grad Celsius und die Sonne brennt schon unerbittlich. Ich bin ein bisschen froh, dass ich gerade nicht draußen sein muss. Mein Arbeitsplatz heute ist im Elbepark Dresden. Genauer gesagt in der »Kleenothek« – eine chemische Textilreinigung. Doch auch dort komme ich ordentlich ins Schwitzen.

Martin Dulig – ein Tag als Dachdecker auf dem Schokopack-Hochhaus in Dresden

Dass wir Politiker einen Dachschaden haben, wird ja weithin angenommen. Dass wir einen solchen aber beheben können, habe ich bei meinem aktuellen Arbeitseinsatz bewiesen. Hoch oben auf dem einstigen Schokopack-Hochhaus in Dresden, ging ich diesmal acht Stunden der Dachdeckerfirma Dittrich zur Hand.

Martin Dulig - drei Tage als Kellner auf dem Elbhangfest Dresden

»Zwei Rosé halbtrocken, ein Bier, einmal Erdnüsse und drei Glühwein.« So lautet die aktuelle Bestellung am hintersten Tisch im Garten des Solidaritäts-Cafés, die ich gerade aufnehme. Seit knapp drei Tagen kellnere ich im Garten zum Elbhangfest in Dresden. Ein Großteil der Einnahmen wird an den Ausländerrat der Stadt Dresden gespendet. In diesem Jahr wird es wohl wetterbedingt leider etwas weniger.

Martin Dulig – ein Tag als Pflegehelfer im Dresdner AWO-Heim »Albert Schweitzer«

Das war mein bisher intensivster Arbeitseinsatz. Und einer, der mich komplett an meine Grenzen geführt hat: Waschen, Kämmen, Heben, Toilettengang, Essen geben, Vorlesen… Dass alle Menschen, die in der Pflege arbeiten, nicht nur eine große Verantwortung für unsere Liebsten haben, sondern auch unter schweren Bedingungen eine anstrengende Aufgabe erfüllen, war mir schon immer klar. Denn auch ich habe pflegebedürftige Angehörige in der Familie und weiß, wie schwer es ist, immer mit der nötigen Geduld das Richtige zu tun. Doch mein »Tag als Pflegehelfer« bei der Arbeiterwohlfahrt im »Albert Schweitzer Heim«, hat mir einen wirklichen und wenn man so will verschärften Einblick in den Arbeitsalltag der Pflege erlaubt.

Martin Dulig – ein Tag als Montage-Werker bei Volkswagen in Zwickau

Über 8.000 Menschen arbeiten bei Volkswagen in Zwickau. Heute bin ich einer von ihnen. Ich werde acht Stunden als »Montage-Werker« in der Fahrzeug-Endmontage am Band stehen. 1.350 VW Golf und Passat verlassen das Werk in Westsachsen jeden Tag – durch meine Hand gehen davon heute 207. Ich möchte mit den Kollegen hier sprechen. Ungefiltert erfahren, wo ihnen der Schuh drückt und was wir als Politiker für sie tun können.

© Kristin Schmidt / SMWA

Martin Dulig – ein Tag als Lader bei PortGround Leipzig

»Los komm«, drängelt Olaf Kohlmann. »Das nächste Flugzeug landet gerade, wir müssen zum Vorfeld 1.« Die Türen unseres gelben Transporters klappen zu. Der Wagen setzt sich in Bewegung. Es ist 11.27 Uhr.

© Institution