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Martin Dulig – ein Tag als Dachdecker auf dem Schokopack-Hochhaus in Dresden

Von Martin Dulig

Dass wir Politiker einen Dachschaden haben, wird ja weithin angenommen. Dass wir einen solchen aber beheben können, habe ich bei meinem aktuellen Arbeitseinsatz bewiesen. Hoch oben auf dem einstigen Schokopack-Hochhaus in Dresden, ging ich diesmal acht Stunden der Dachdeckerfirma Dittrich zur Hand.

Kurz vor sechs Uhr komme ich in der Firma in Dresden an. Vorarbeiter Patrick ist schon eingeweiht. Er weiß, wer ich bin, dass ich anpacken möchte. Ich will keine Schonbehandlung oder nur die einfachen Aufgaben übernehmen. Patrick stellt mich meinem sechsköpfigen Bautrupp vor: »Das ist Martin, unser Praktikant heute.« Es ist nicht Ungewöhnlich, dass neue Kollegen in den Job reinschnuppern. Doch dass ich Minister bin, bleibt nicht lange geheim. Schnell spricht es sich in dem kleinen Team herum. Meinen Kollegen ist es egal. Das Eis ist ruckzuck gebrochen, wir kommen schnell ins Gespräch.

Ich bekomme ein Arbeits-T-Shirt. »Dachschaden?« steht darauf. »Da wird es bei den Fotos später gewiss dumme Sprüche geben«, sag ich zu Patrick. Er grinst. Schnell geht der Vormittag in über 40 Metern Höhe vorbei – nach oben geht’s nur über einen wackeligen Außenfahrstuhl oder zu Fuß – 11 Etagen hoch, über Baumaterial und Absperrungen hinweg.

»Hol mal den langen Dübel«, ruft mein Vorarbeiter. Die weißen Plastebahnen, auf denen wir knien, müssen auf dem alten Dach befestigt werden. Drunter befindet sich die Wärmedämmung, die den Plattenbau später von Hitze und Kälte abschirmen wird. In ein paar Monaten, soll hier eine Dachterrasse zum Entspannen einladen.

Bei uns wird noch lange nicht entspannt. Wir haben eine klare Arbeitsteilung: Patrick bohrt, ich stopfe die Dübel ins Dach. Einen nach den anderen. Zwischendurch werden die Planen immer wieder miteinander verschweißt. Mir wird kurz erklärt, was ich zu tun habe und los geht’s. Patrick ist zufrieden, würde mich glatt anstellen – sagt er zumindest. Generell sucht die Branche Mitarbeiter – gerade auf dem Bau ist wenig Nachwuchs zu finden.

Mein Magen knurrt. Es ist 13 Uhr durch. Eigentlich wäre jetzt Mittag. Seit der Frühstückspause um 9 Uhr arbeiten wir durch. Doch heute fällt das Mittag heute aus, wir wollen schneller vorankommen. Ein Schluck aus der Wasserflasche, ein Apfel – das muss reichen.

Den traumhaften Ausblick über Dresden kann ich nicht genießen – auf Knien rutsche ich übers Dach. Bohren, Dübeln, Klopfen. Stück für Stück rücken wir voran.
Mit dem Wetter habe ich Glück: Heute Vormittag war es leicht bewölkt – im Vergleich zu den vergangenen Tagen fast kühl. Doch seit dem späten Mittag brutzelt die Sonne von oben auf die weißen Plastebahnen. Es ist grell und blendet. Insoweit bin ich froh, als am frühen Nachmittag wieder Wolken aufziehen. Trotzdem kann ich nicht jammern. Im Hochsommer ist es auf dem Dach sicherlich unerträglich heiß.

Das ständige auf und ab merke ich. Aber so ganz neu ist das für einen gelernten Maurer wie mich nicht. Irgendwie macht es auch Spaß, die Arbeit körperlich zu spüren. Doch die Arme brennen unangenehm. An den scharfen Fasern der Dämmplatten habe ich mir die Unterarme aufgerissen, sie sind mit Schrammen übersät. Beim Sägen stinken sie zudem wie Jauche. Doch gejammert wird nicht. Wir ziehen durch bis kurz vor 15 Uhr. Das Dach ist gutes Stück mehr mit den Folien bedeckt, als wir zurück in die Firma fahren.

Ich bin froh, dass es solch engagierte Handwerker, wie die Dachdecker von der Firma Dittrich, gibt. Sie packen bei Wind und Wetter an – bei Frost auf dem Dach bibbern, im Hochsommer in der glühenden Hitze schwitzen. Doch egal wann: Es wird auf Qualität geachtet – das ist eine Selbstverständlichkeit für unsere Handwerker. Sie haben einen guten Ruf zu verlieren. Ich habe Respekt – nicht nur vor der täglichen körperlichen Herausforderung, sondern generell vor diesem verantwortungsvollen Job!

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